Rainer M., 55, arbeitet seit 1982 als Hausmeister und Techniker. Nach
jahrelanger Arbeit, so berichtet er, leide er seit vier Jahren verstärkt an
Rücken- beschwerden. Anfangs nur gelegentlich, nach schwerem Heben und Tragen.
Zwischenzeitlich war er längere Phasen beschwerdefrei. Doch nun sei auch noch
ein Schwindelgefühl hinzugetreten: "Nun geht gar nichts mehr."
Der Orthopäde stellte durch eine Kernspintomographie fest: Bilateraler Bandscheibenvorfall im Segment C 3/4 und eine ossärdiskogene Einengung des Spinalkanals im Segment C 4/5.
Herr M. wurde krankengymnastisch und medikamentös behandelt, doch mit wechselndem Erfolg. Es wurden Tätigkeitseinschränkungen ausgesprochen. Rainer M. durfte von nun an keine schweren Lasten über 10 kg mehr heben oder tragen. Immer häufiger erschien er beim Hausarzt und klagte über seine Rückenbeschwerden und den Schwindel. Hohe Ausfallzeiten bedrohten seinen Arbeitsplatz.
Spielen hier noch andere Ursachen eine Rolle?
"Sind Sie manchmal depressiv?"
Antwort: "Mir ist alles zu viel, ich könnte aus dem Fenster springen."
Auf diese Frage hin wird der wahre Umfang seiner Krankheit offenbar. "Manchmal überkommt es mich und ich muss daran denken, wie alles wohl weitergeht." Herr M. berichtet, als biete ihm nun endlich jemand die Gelegenheit, sich alles von der Seele reden zu dürfen: "Kaum habe ich mich einmal gefreut, dann fangen die Schmerzen schon wieder an und der Mist beginnt von vorne. Die Mitarbeiter schauen mich an und denken, «der sieht aber blendend aus», innerlich jedoch leide ich unter den ständigen Schmerzen und bin bedrückt, weil die anderen von mir meinen, mir ginge es gut, aber ich fühle mich elend. Dann stellen sich wieder diese stechenden Schmerzen im Halsbereich ein. Immer, wenn es zu Schmerzattacken kommt, muss ich auch schon wieder darüber nachdenken, wie die Zukunft wohl aussieht, und wenn ich denke «was ist dann», dann ist meine Stimmung auf dem Nullpunkt."
"Leiden Sie unter Ängsten?"
Antwort: "Manchmal sehe ich mich im Rollstuhl sitzen"
"Mich quält die Frage «was wird, wenn es gar nicht mehr geht?». Der Neurochirurg hat mir von einer Operation abgeraten, «da geht nichts mehr» und wenn ich diesem Gedanken nachgehe, sehe ich mich manchmal im Rollstuhl sitzen. Besonders schlimm und mit Angst verbunden ist, dass ich früher alles selbst gemacht habe und heute muss ich einen Tapezierer für die eigene Wohnung kommen lassen, was wieder viel Geld kostet. Wenn die Familie einen Ausflug machen will, muss ich darauf verzichten, ich habe Angst, dass dann die Kopfschmerzen wieder losgehen."
Nicht allein die Schmerzen "schmerzen" Herrn M., vor allem schmerzen ihn die Blicke der Kollegen, die quälenden Fragen nach der Zukunft, der Blick auf seine eingeschränkte Arbeitskraft. Dies macht ihn depressiv. Noch schlimmer sind die sozialen Einschränkungen; durch die Angst, Kopfschmerzen und Schwindel zu bekommen, kann er mit seiner Familie keine Ausflüge mehr unternehmen oder mit seiner Frau nicht mehr tanzen gehen.
Herr M. sieht den Anforderungen des Lebens offen ins Gesicht und steht mit beiden Beinen in der Welt. Deswegen kommt eine Verhaltenstherapie erst sekundär in Betracht. Um den Kreislauf S-A-D zu unterbrechen, steht an erster Stelle die Aufklärung. Ihm sollten die Zusammenhänge zwischen chronischen Schmerzen und der Stresssituation eingehend erklärt werden, die den Schmerz unterhalten*. Die Erschöpfung einiger Hirnregionen (des anterioren cingulären Kortex, ACC) wirkt sich so auf das limbische System aus, dass es zu Angst und Depression kommt.
Im vorliegenden Fall wird ein Antidepressivum (z. B. Mirtazapin) verordnet. Nach drei Wochen sollte eine Besserung eintreten. Wenn nicht, wird die Medikamentengabe durch eine Verhaltenstherapie unterstützt.
Wirksame Arzneimittel können den vielschichtigen Heilungsprozess unterstützen.
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Problemkreis Schmerz-Angst-Depression - Aspekte eines Syndroms: Wenn extreme oder lang anhaltende psychische Belastungen das Selbstvertrauen schwächen, dann breitet sich Angst aus. Wenn die Angst anhält, den Anforderungen des Lebens nicht mehr gewachsen zu sein, und das Vertrauen in die Lebenskompetenz schwächt, stellen sich Depressionen ein. In der Depression werden aus akuten oder flüchtigen Schmerzen chronische und unerträgliche Schmerzen. Der Kreislauf beginnt sich zu drehen. |