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Lehrerin mit quälenden chronischen Schmerzen

Quälende chronische Schmerzen belasten Elisabeth B.

Quälende chronische Schmerzen belasten Elisabeth B. Elisabeth B. ist 51 Jahre alt und seit 10 Jahren verheiratet. Sie ist Lehrerin an einer Schule für verhaltensgestörte Schüler. Ihr 17 Jahre älterer Ehemann ist seit 5 Jahren Rentner. Nach seiner Pensionierung stellte sich bei ihm eine Herzkrankheit heraus. Er ist zeitweise gehbehindert und pflegebedürftig, weswegen das Versorgungsamt ihm einen Grad der Behinderung von 80 % anerkannt hat.

"Meine Krankheit begann 1992, vor 10 Jahren", so berichtet Elisabeth B., "das linke Bein schwoll wegen Krampfadern an. Meine Hausärztin stellte venöse Stauungsbeschwerden fest und verordnete Tabletten, die jedoch wenig nutzten. Später wurden sogar Infusionen nötig. Wiederholt litt ich unter Wadenkrämpfen, sodass Spritzen gegeben werden mussten. Danach, noch im gleichen Jahr, dehnten sich die Schmerzen auf beide Knie und auf die Lendenwirbelsäule aus". Röntgenologisch lagen nur geringe degenerative Veränderungen im unteren LWS-Bereich und in den Patellafemoralgelenken vor. Die Beschwerden wurden von der Hausärztin mit einer "detonisierenden Wärmebehandlung der paravertebralen Muskulatur" und zeitweise durch eine paravertebrale Segmentinfiltration mit Lokalanästhetika behandelt.

"Alle Behandlungsbemühungen waren erfolglos"...

"Doch alle Behandlungsbemühungen waren erfolglos. Seit dieser Zeit (1993) bin ich nie mehr schmerzfrei geworden". Die Hausärztin behandelte sie bis Ende 1995. 1996 seien fieberhafte Kieferhöhlenentzündungen und Vereiterungen, Durchfälle und Mundtrockenheit hinzugekommen. Im gleichen Jahr wurde eine Kieferhöhlenoperation durchgeführt.

"War es Rheuma?"...

Da die Gelenkbeschwerden in dieser Zeit immer mehr zunahmen - Elisabeth B. selbst spricht von "starkem Rheuma" - und immer mehr Gelenke betroffen wurden, suchte sie nun mehrere Orthopäden auf. Von 1996 - 1999 wurde sie ambulant orthopädisch behandelt. Die Diagnosen des Orthopäden waren:

  1. Statisch-degeneratives Wirbelsäulensyndrom mit chronifizierten lumbalen und zervikalen Schmerzen.
    Der Orthopäde fand noch andere Erkrankungen:
  2. Dekompensierte Platt-, Knick- und Spreizfüße, plantarer Fersensporn, Fußwurzelarthralgien und Metatarsalgie, sowie
  3. Hüft- und Kniearthrose beidseitig.

Während dieser Zeit kam es zu einem deutlichen Leistungsabfall. Er riet ihr dringend zu einer Rehabilitationsmaßnahme. Schließlich wurde die Schwerbehinderung beantragt.

"Die psychische Erschöpfung"...

Am Ende einer 3-jährigen Behandlungszeit erklärte ihr der Orthopäde, dass die Schmerzen sie psychisch so erschöpft hätten, dass sie einen Nervenarzt aufsuchen solle. Elisabeth B. klagt: "Ich konnte nachts nicht mehr schlafen. Ich lag nur noch mit angezogenen Beinen im Bett und musste vor Schmerzen häufig schreien. Mein Mann musste deswegen in einem anderen Zimmer schlafen. Ich hatte überall Schmerzen und Entzündungen."

Elisabeth B. stellte sich bei mir erstmals im Jahre 2000 vor. Zu dieser Zeit war sie bereits seit einem Jahr in psychotherapeutisch-psychiatrischer Behandlung und unter entsprechender Medikation.

"Und so finden Sie den Stolperstein"

"Wie leben Sie zu Hause?"...
Antwort: "Entsetzlich, ich leide unter pochendem Herzschlag und Angst vor Einbrechern"...

Auf die Frage, ob sie unter Ängsten leide, gibt sie an, dass sie oft unter einem pochenden schnellen Herzschlag leide. "Angst habe ich vor Einbrechern. Deswegen habe ich mir zu Hause schon für mehr als 2.500 € zusätzliche Sicherungsanlagen einbauen lassen".

Ich rühre mich einfach nicht mehr ...

"Ich bin häufig vor Schmerzen so erschöpft, kann nachts nicht schlafen und habe mich in der letzten Zeit "tot gestellt". Ich habe mich einfach nicht mehr gemeldet; ich will niemanden mehr sehen; ich rühre mich auch auf das Klingelzeichen zu Hause nicht mehr." Diese Schilderungen verdeutlichten ihre depressive Stimmung.

Zur Diagnosesicherung eines S.A.D-Syndroms legten wir Elisabeth B. den Hospital Anxiety and Depression Scale (HADS-D) Fragebogen vor. Hier zeigten sich sowohl in der Angst- als auch in der Depressionswertung krankhaft erhöhte Werte.

Bei Elisabeth B. zeigte sich folgendes S-A-D-Profil:

Schmerzintensität (Si): 9,0
Schmerzhäufigkeit (St): 10,0
Angst: 7,6 (abs. 16)
Depression: 8,1 (abs. 17)

Normalwerte bei Angst- und Depressionsmessung: < 3,3 negativ; 3,3-5,0 fraglich; 5,0-10 positiv, (absolute HADS-D Werte neg. 0-7; fraglich 8-10; pos. 11-21). Schmerzintensität (Si) < 3,0 auf einer analogen Skala von 0-10

Angst und Depressionwerte deutlich erhöht, Schmerzintensität und Schmerzhäufigkeit erhöht, diese Werte sind auch bedeutend zur Verlaufskontrolle und im Therapieverlauf.

Ein Fall im Problemkreis S-A-D:

Behandlung/Kritik

Elisabeth B. erkrankte 1992 mit anfangs definierten und lokalisierten Schmerzsyndromen unter der Diagnose "Varikosis" und Wadenkrämpfe. Danach kamen rezidivierende Schmerzsyndrome der LWS und beider Kniegelenke hinzu, wobei radiologisch nur geringe degenerative Veränderungen vorlagen. Nach 3-jähriger hausärztlicher Betreuung wurde Elisabeth B. dem Orthopäden vorgestellt, der weitere orthopädische Erkrankungen der Füße diagnostizierte und sie von 1996 - 1999 entsprechend behandelte. Erst nach 7 Jahren kam Elisabeth B. in psychotherapeutische-psychiatrische Behandlung. Seit dieser Zeit hat sich das Krankheitsbild langsam gebessert. Von Schmerztherapeuten wird aber heute die Meinung vertreten, dass erst eine ausreichende Schmerzintervention - so früh wie möglich - und eine unterstützende medikamentöse und/oder verhaltenstherapeutische Behandlung der Angst- und Depressionssymptomatik - so früh wie möglich - eine wirksame und anhaltende Wirkung auf den Problemkreis Schmerz-Angst-Depression erzielen. Deshalb sollten wir unsere diagnostischen Hilfsmittel überprüfen.

Diagnostik für die Praxis

Elisabeth B. wurde 7 Jahre somatisch behandelt. Erst dann waren die Begleitsymptome der Angst und Depression so gravierend, dass auch diese beiden Symptome immer häufiger geäußert und offenbar wurden. Heute wird unter den Wissenschaftlern, die sich mit dem Schmerz-Angst-Depression-Syndrom beschäftigen, die Ansicht vertreten, dass in der Praxis bei jedem (chronischen) Schmerzsyndrom als einfaches messendes und diagnostisches Mittel ein Angst- und Depressionsfragebogen angewandt werden sollte.

Solche Fragebögen sind: SCL 27 (Symptom-Checkliste-27), HADS-D (Hospital Anxiety and Depression Scale) oder ADS-L (allgemeine Depressionsskala).

Problemkreis Schmerz-Angst-Depression - Aspekte eines Syndroms:

Wenn körperlich empfundene Schmerzen länger als erwartet anhalten, wenn sie unzureichend behandelt werden und sie sich immer wieder mehr oder weniger intensiv einstellen, dann empfinden die Betroffenen nicht mehr bloß den körperlichen Aspekt einer Schmerzsensation, sondern sie erleben den Schmerz als Symbol des Kontrollverlustes, der Hilflosigkeit und einer Ausweglosigkeit, in der keiner mehr helfen kann. Das Schmerzerleben ist der emotionale Aspekt des Schmerzes. Im Schmerzerleben wird die Bedeutung des Schmerzes für das alltägliche Leben reflektiert, und zwar in Bezug auf die Freiheit, Beweglichkeit, Möglichkeiten des ungestörten Lebensvollzugs, der Lebensfreude und der Lebensbewältigung. Die wiederholte Reflexion des Kontrollverlustes, der Hilflosigkeit und der mangelnden Möglichkeiten der Lebensbewältigung rufen Angst und in der erschöpften Reflexion Depressionen hervor. In der Krankheit reflektiert der Betroffene verstärkt sich und seinen Körper.

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