Lore Z. lebt verheiratet in einer kleineren Kreisstadt. Sie kam in die Praxis,
weil sie anhaltend unter Schmerzen litt. Wie sie berichtet, begann alles 1995,
also vor 12 Jahren. Damals war sie 40 Jahre alt. Anfangs waren es nur leichte
Verspannungen der Hals- und Nackenmuskulatur. Trotz Wärmebehandlung und Massagen
besserte sich der Zustand aber nur wenig. Sie erinnerte sich auch an einen
Schiefhals, der sich durch "Einrenken" behandelt ließ. Doch schon bald kamen
weitere Schmerzerkrankungen hinzu.
"Bald stellten sich neue Beschwerden ein. Ich konnte die Hände nicht mehr richtig bewegen. Es kamen Schulterschmerzen und Rückenschmerzen hinzu. Ich ging von Arzt zu Arzt" klagt sie, "doch keiner konnte mir helfen, obwohl ich immer wieder Schmerzmedikamente verschrieben bekam. Wegen vermehrter Magenschmerzen führte man eine Magenspiegelung durch - ohne Befund."
Lore Z. hatte in ihrer Berufsausbildung "Friseuse" gelernt, doch sie musste den Beruf aufgeben, weil sie die Chemikalien nicht vertragen konnte ("Ich litt immer wieder unter heftigen Ausschlägen."). Um ihren Lebensunterhalt weiter verdienen zu können, ging sie in ein Pflegeheim und wurde dort als Stationshilfe beschäftigt.
Schließlich, nach 2 Jahren Suche, stellte eine Rheumatologin 1997 die Diagnose "Fibromyalgie".
Dies beschäftigte Lore Z. sehr: "Nun litt ich zunehmend unter der Angst, dass
ich meinen Haushalt und die Tätigkeiten am Arbeitplatz nicht mehr leisten
könne." Zunächst versuchte sie so gut es ging mit den Dingen zurechtzukommen und
ihre Aufgaben zu bewältigen. Aber dann, in den Jahren 2000 bis 2005, erhöhten
sich die Ausfallzeiten zusehends. 2005 war sie bis September bereits 114 Tage
arbeitsunfähig gewesen. Jetzt wurde sie in eine Kur geschickt, um ihren Zustand
und ihre Arbeitsfähigkeit zu bessern. Der Erfolg war leider mäßig. Lore Z.
klagte weiter über "unterschwellige bis massive Schmerzen", die ihren Alltag oft
zur Qual werden ließen.
Frage: "Leiden Sie an Antriebsschwäche, an Depression oder Ängsten?"
Antwort: "Morgens ist es besonders schlimm. Ich raffe mich auf, doch dann geht
nichts mehr, dann falle ich zusammen. Nach einer Stunde überwinde ich mich dann
und fahre ich doch wieder zur Arbeit. Ich quäle mich dann durch den Tag."
Bei der Nachfrage, welche Medikamente sie denn bisher nehme, stellt sich heraus, dass sie in Anbetracht der Schwere ihres Krankheitsbildes völlig unzureichend eingestellt ist: Paracetamol 200mg 3x täglich, Diclofenac 25mg 3-4 Tabletten am Tag, dazu Johanniskraut.
Zur Diagnosesicherung eines S-A-D-Syndroms beantwortete Lore Z. den Hospital Anxiety and Depression Scale (HADS-D) Fragebogen. Hier zeigten sich sowohl in der Angst- wie auch in der Depressionswertung krankhafte erhöhte Werte.
Schmerzintensität (Si): 7,0
Schmerzhäufigkeit (St): 10,0
Angst: 7,6 (abs. 16)
Depression: 6,2 (abs. 13)
Normalwerte bei Schmerz-, Angst- und Depressionsmessung: Schmerzintensität (Si) < 3,0 auf einer analogen Skala von 0-10; Angst- und Depressionswerte: < 3,3 negativ; 3,3-5,0 fraglich; > 5,0-10 positiv, (absolute HADS-D Werte neg. 0-7; fraglich 8-10; pos. 11-21).
Wie man sieht, sind die Angst- und Depressionswerte deutlich erhöht. Schmerzintensität und Schmerzhäufigkeit erreichen auf der NAS-Skala hohe Werte. Diese Werte sind bedeutend zur Verlaufskontrolle und zur Einschätzung des Therapieerfolges und werden festgehalten.
Die weitere Behandlung
Lore Z. wurde nun in eine Schmerzambulanz überwiesen, um eine medikamentöse Therapieumstellung durchzuführen und eine multimodale Schmerztherapie einzuleiten. Angst und Depression wurden mit Mirtazapin und einer Einzeltherapie angegangen. Unter der Führung eines Schmerztherapeuten konnte so nach 3 Monaten eine deutliche Schmerzlinderung und nach 5 Monaten eine weitgehende Schmerzfreiheit erzielt werden.
Nach vorübergehender Reduktion der Arbeitszeit auf 10 Std. pro Woche kann Lore Z. seit einem halben Jahr wieder 20 Stunden in der Woche ohne Beschwerden arbeiten und ihren Haushalt führen.